Die Kollektivvertragsverhandlungen 2026 für die Elektro- und Elektronikindustrie haben begonnen und betreffen direkt auch uns bei der Dr. techn. Josef Zelisko GmbH. In diesem Beitrag fasse ich Euch zusammen, was in der ersten Runde diskutiert wurde, welche Forderungen Arbeitgeber und Gewerkschaften eingebracht haben und warum eure Unterstützung jetzt wichtig ist.
Ausgangslage und Inflation
Am 05. März 2026 fand die erste Verhandlungsrunde zwischen Arbeitgebervertretern und den Gewerkschaften GPA und PRO-GE statt. Dabei wurden die jeweiligen Forderungsprogramme vorgestellt und die wirtschaftliche Situation der Branche ausführlich diskutiert.
Für die heurigen Verhandlungen ist die rollierende Inflationsrate der letzten zwölf Monate (März 2025 bis Februar 2026) maßgeblich, sie beträgt 3,3%. Diese Teuerung spüren viele von uns im Alltag deutlich – umso wichtiger ist eine KV-Erhöhung, die die Kaufkraft der Beschäftigten absichert.
Wirtschaftliche Situation der Branche
Die Arbeitgeberseite verweist auf wirtschaftliche Herausforderungen und Risiken aufgrund des starken Exportfokus der Elektro- und Elektronikindustrie, geopolitischer Spannungen und zunehmenden internationalen Wettbewerbs.
Die Gewerkschaften halten dem entgegen, dass sich die Auftragseingänge 2025 – insbesondere im nichteuropäischen Ausland – deutlich verbessert haben und sich die Industriekonjunktur in der Elektro- und Elektronikindustrie wieder aufhellt. Gleichzeitig verweisen sie auf steigende Gewinnausschüttungen und insgesamt positive Signale für die Branche. Klar ist: Die Leistung, Qualifikation und Motivation der Beschäftigten sind ein entscheidender Faktor für diese guten Ergebnisse.
Was die Arbeitgeber fordern
Die Arbeitgeber streben einen Abschluss an, der nach ihrer Darstellung die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sichern soll. Dazu gehören unter anderem:
- Ein Abschluss deutlich unter der rollierenden Inflation
- Erhöhungen der Mindestbezüge nur in den Grundstufen
- Keine Erhöhungen von Zulagen und Reiseaufwandsentschädigungen
- Rahmenrechtliche Verschlechterungen, etwa:
Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung würden diese Punkte spürbare Nachteile für die Beschäftigten bedeuten – insbesondere bei Sonderzahlungen, Schichtzulagen und der künftigen Gehaltsentwicklung – und sind daher keine akzeptable Basis für einen fairen Abschluss.
Was GPA und PRO-GE fordern
Die Gewerkschaften GPA und PRO-GE haben ein Forderungspaket vorgelegt, das vor allem die Sicherung der Kaufkraft, die Stärkung niedriger Einkommen und eine bessere Abgeltung von belastenden Arbeitszeiten zum Ziel hat. Gefordert werden unter anderem:
- Erhöhung der Mindestlöhne und Mindestgehälter, mit besonderem Fokus auf niedrige Einkommen
- Erhöhung der Ist-Löhne und Ist-Gehälter, ebenfalls mit Schwerpunkt auf niedrige Einkommen
- Erhöhung der kollektivvertraglichen Zulagen und Aufwandsentschädigungen im Ausmaß der Lohn- und Gehaltserhöhungen
- Erhöhung der Schichtzulage für die 2. Schicht auf 1,50 € pro Stunde
- Erhöhung der Schichtzulage für die 3. Schicht sowie der Nachtarbeitszulage auf 5,00 € pro Stunde
- Erhöhung der Lehrlingseinkommen
Zusätzlich verlangen die Gewerkschaften Verbesserungen im Rahmenrecht:
- Leichtere Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche durch bessere Anrechnungsbestimmungen
- Erhöhung des Leistungsvolumens für individuelle Lohn- und Gehaltserhöhungen von 0,35% auf 0,5%
- Zusätzliche Pflegefreistellung für Eltern von Kindern mit Behinderung
- Überarbeitung und Erweiterung der Bildungsfreistellung, um Weiterbildung und Qualifizierung stärker zu fördern
Als Geltungstermin für den neuen Kollektivvertrag wird der 01. Mai 2026 bei einer Laufzeit von 12 Monaten gefordert.
Wie es weitergeht
In der ersten Runde wurden die Positionen beider Seiten ausgetauscht, eine Einigung konnte noch nicht erreicht werden. Beide Seiten haben aber betont, die Verhandlungen im Sinne der Sozialpartnerschaft konstruktiv weiterzuführen.
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 09. April 2026 angesetzt. Wir als Betriebsrat der Dr. techn. Josef Zelisko GmbH werden euch über alle weiteren Entwicklungen und Ergebnisse zeitnah informieren.
Warum eure Unterstützung wichtig ist
Die KV-Verhandlungen betreffen uns alle direkt: Es geht um unsere Löhne und Gehälter, Zulagen, Lehrlingseinkommen und wichtige Rahmenbedingungen wie Urlaub, Pflegefreistellung und Weiterbildung.
Je stärker der Zusammenhalt und die sichtbare Unterstützung der Beschäftigten – etwa durch Teilnahme an Betriebsversammlungen, Informationsveranstaltungen oder gewerkschaftlichen Aktionen – desto größer ist die Durchsetzungskraft in den Verhandlungen. Der Kollektivvertrag ist eine zentrale Grundlage für faire Arbeitsbedingungen in unserer Branche, und als Belegschaft können wir wesentlich dazu beitragen, dass die Verhandler:innen ein starkes Mandat haben.
Wenn ihr Fragen habt oder Themen einbringen wollt, meldet euch jederzeit beim Betriebsrat eures Vertrauens.
Mit kollegialen Grüßen
Euer Betriebsrat
Swetlik Jürgen

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